„Ja hallo Max…

….ich bins. Alles Gute zum Geburtstag. Ich dachte ich ruf dich mal an, aber wir sehen uns ja sowieso.“

Handygespräche. Im Zug. Wahnsinnig laut. Wahnsinnig unnötig. Aber gut, laut muss man ja sein. Die Schallwellen müssen ja durch die Leitung. Und von Frankfurt nach München ist es eben relativ weit. Darüber sind wir uns einig. Relativ weit erfordert, das man lauter spricht. Auf die Distanz versteht man ja schlechter.
Ja also Max, er ists. Alles Gute zum Geburtstag. Auch vom gesamten Wagen 23 des ICE727. Wäre ja unhöflich zu wissen das jemand Geburtstag hat und dann nicht zu gratulieren.

Ich bins Gespräche sind sowieso meine Favoriten. Ich bins. Die meisten neumodischen Geräte verfügen über eine Rufnummerübertragung. Diese ist im Menü so versteckt, dass sich kein Mensch die Mühe macht, diese zu suchen und auszuschalten.
Man sieht also schon beim Klingeln, wer am anderen Ende ist. Ich bins. Ja, wer solls auch sein? Der Übeltäter, der heimlich das Handy entwendet hat und nun mal lustig das Telefonbuch durchtelefoniert? Ich bins. Welche Antwort erwartet man darauf. Ich bins. Auch bei unterdrückter Nummer ist so ein ich bins ja nicht wirklich hilfreich. Ich bins-Aha.

Er ists topt aber noch immer nicht mein schönstes und liebstes Gespräch, welches die Schönheit eines Unfalles besaß. Man hatte gar keine Wahl als dieser Situation seine volle Aufmerksamkeit zu widmen, starrend mit offenem Mund und großen Augen.
Eine Dame höheren Alters saß da. Ivanka war ihr Name, tat sie ihrem Gesprächspartner mit osteuropäischem Akzent kund.
1,60 groß wäre sie und 49 kg schwer. Schwarze Haare und hübsch wäre sie. (nun ja, Schönheit liegt im Auge des Betrachters, weshalb man diese aufgespritzten Lippen mit dem blutroten Lippenstift unter gewissen Lichtverhältnissen hätte ignorieren können)
Nein, nein, sein Geld wolle sie nicht. Das hätte sie schon selbst. Eine Wohnung hätte sie auch. Sei also ortsgebunden. Arbeit? Ja, Arbeit hätte sie auch. Sie ginge jetzt ins Fitnessstudio und könne danach zu ihm kommen.

Nun ja, wenigstens ging sie nicht mit ich bins ans Telefon.
Was bewegt Menschen dazu ihr Seelenleben in einem Zug öffentlich auszubreiten. Warum macht man das? Ist das der Lauf der Dinge, dass wir heutzutage keine Zeit mehr haben und so eine Zugfahrt nicht ungenutzt verstreichen darf? Also tratscht man so herum, wo die Hämoriden drücken, warum es im Bett nicht mehr läuft, oder was Schatzi eben so angestellt hat, oder auch nicht. Drama über Drama, Beziehungsende über Beziehungsende….

Ich habe schon zu Caro gesagt, dass wir vielleicht eine neue Rubrik erstellen sollten.
Lebensgeschichten.
Hochspannend sicherlich.
Die Geschichten erfragt man einfach problemlos bei seinen Mitreisenden. Die schreien in der Regel ja auch alles wie selbstverständlich ins Telefon. Seelenstriptease ungeachtet jeglicher Zuhörer um sie herum. So lernt, weiss und erfährt man doch einiges.

Man muss sich ja auch ablenken, denn pünktlich zum Winterfahrplan hat die Bahn übrigens auch entdeckt, dass ihre Klimaanlagen nun doch funktionieren. Verrückt. und im Sommer dachte man schon, man muss die alle reprieren lassen.
Das ist auch der Grund, wieso ich den Eintrag für heute beende. Meine Finger sind schon ganz blau.

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